Haben Sie es bemerkt? Die Europameisterschaft der Leichtathletik hat begonnen! Nur ganz zaghaft tritt sie aus dem Schatten von Fußball-Weltmeisterschaft und Tour de France. Kurzfristig steht die einstige Vorzeige-Sportart Deutschlands wieder einmal im Mittelpunkt der TV-Landschaft. Bereits bei der Weltmeisterschaft von Berlin im vergangenen Jahr erzielte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) – für viele doch überraschend – herausragende Ergebnisse mit zwei Titeln und sieben weiteren Platzierungen auf dem Podium. Doch der erhoffte Leichtathletik-Boom blieb aus. Noch mehr, die Leichtathletik verschwand schnell wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Darauffolgende Meetings und Großveranstaltungen wurden nicht im Fernsehen gezeigt, das vielleicht neu interessierte Publikum nicht bedient. So wie es scheint, muss die Leichtathletik um ihren Status als Fernsehsportart bangen. Doch einstweilen erhält sie noch einmal eine Chance, um sich für die Unterhaltungsindustrie zu profilieren. ARD und ZDF übertragen 42 Stunden live aus Barcelona. Vorkämpfe, Halbfinals und Endkämpfe zur besten Sendezeit zwischen 19 und 22 Uhr. Nun dürfen wohl die TV-Quoten über die nachhaltige Rolle der Leichtathletik auf dem Bildschirm entscheiden. Langfristig werden aber nur Erfolge helfen. Ein Olympiasieg ist etwas Bleibendes. Doch woher soll dieser kommen? Bei der EM in Barcelona schickt der DLV in sieben Laufdisziplinen keine Athleten an den Start. Erkennbar mangelt es an Reformen und professionellen Strukturen, nicht nur beim einstigen Zugpferd Leichtathletik, aber hier ganz besonders. Die Suche nach den goldenen Tagen wird weiter gehen.
Aus meiner Thüringer Sicht sieht es besonders trübe aus. Mit gerade mal einer Starterin ist die Thüringer Leichtathletik meilenwert von ihrer einstigen Klasse entfernt. Auch über sportpolitischen Handlungsbedarf wird zu reden sein.