2. Juli 2010 WM-Kolumne Teil 4

Anders als erwartet

Die Euphorie der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika macht auch hierzulande vor der Politik keinen Halt. Das nehmen wir zum Anlass, um in regelmäßigen Abständen – immer vor den Deutschland-Spielen – einen kurzen Meinungsbeitrag zum Thema Sport und Politik zu starten. – Und immer mit dabei: Der aktuelle WM-Tipp des Bundestagsabgeordneten Jens Petermann.

3:2, nicht 4:1, lautete das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl nach der 14. Bundesversammlung im Berliner Reichstag. Ein Sieg? – Mit Hängen und Würgen! Erst im dritten Anlauf schaffte der Kandidat der Regierungskoalition, Christian Wulff, trotz schwarz-gelber Mehrheit die Wahl zum Bundespräsidenten. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt mit dem Wulff tanzt? Wohl kaum.

Die Hängepartie von Union und FDP zerstört bei deren Anhängern die Hoffnung auf ein schwarz-gelbes Signal der Geschlossenheit.

Völlig losgelöst hingegen, präsentierte sich unsere Deutsche Nationalmannschaft mit ihrem 4:1-Kantersieg im Klassiker gegen England in Bloemfontein. Die „Three Lions“ erinnerten den ein oder anderen der 40.510 Zuschauer an das schwarz-gelbe Krisenkabinett. Im Angriff behäbig, im Mittelfeld ohne Ideen und in der Abwehr wackelig. Doppeltorschütze (67./70.) und man of the match, Thomas Müller, schaut indes bereits auf die kommende Partie: „Jetzt ist alles möglich, auch wenn ein harter Brocken auf uns wartet. Aber das ist eh egal, wir müssen alle putzen.“ Gemeint sind Maradonas südamerikanische Wunderknaben, welche am Samstag um 16.00 Uhr in Kapstadt auf unsere DFB-Jungs treffen. Die Wiederholung des Viertelfinal-Krimis gegen die „Gauchos“ von 2006, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso spannend werden, wie die vergangene Bundespräsidentenwahl. Doch eines ist gewiss, zu einer Entscheidungsfindung bedarf es bei der Mission „Einzug ins Halbfinale“ keiner 9 Stunden. Diese dürfte nach maximal 120 Minuten, hoffentlich jedoch mit einem Weiterkommen der DFB-Elf, über die südafrikanische Bühne gehen.

Mein Tipp: Deutschland–Argentinien 2:1